Optik und Ausleuchtung des Astrographen in der Praxis

Die Optik des Astrographen zeigt ihre Leistungsfähigkeit und ihre Fehler letztlich am Stern. Bis es aber soweit ist, muss man erst mal lernen den Astrographen mit f/2.8 zu beherrschen. Besonderes Augenmerk hab ich auf die Ausleuchtung gelegt.

9. Mai – Die allererste Aufnahme

16 s Luminanz, Polaris am 9. Mai 2020.

Nachdem ich den Spiegel noch in der Nacht versetzen musste, weil mir 10 mm zum Fokus fehlten, habe ich die erste Aufnahme angefertigt. Auf den ersten Blick sieht das schon gar nicht so schlecht aus. Genaueres Hinsehen lässt aber schnell erkennen, das bei Justage, Korrektorabstand oder Planlage noch etwas nicht stimmt.

Bildecken der Polaris-Aufnahmen vom 9.Mai 2020.

Also war mein Plan für die nächste verfügbare Nacht meine Justagefähigkeiten zu verbessern. Erfahrungsgemäß macht es wenig Sinn am Korrektorabstand oder an der Planlage zu optimieren, wenn das System nicht perfekt justiert ist.

11. Mai

HD49878 am 11. Mai 2020. 16 s Luminanz.

Vor der nächsten verwendbaren Nacht lernte ich meinen Astrographen besser zu justieren. Den Offset stellte ich besser ein. Dazu verwendete  ich einen Laser und eine Papierschablone. Bei der Kollimation des Hauptspiegels wende ich nun die Barlowed Laser Methode an. Offenbar kann man damit das System wirklich bei Tag zu 100% justieren.

 

21. Mai – Ausleuchtung

M3 am21. Mai 2020. 60 s Luminanz.

Das erste Mal ein „richtiges Objekt“. Eigentlichsollte ein Farbfoto entstehen. Leider zogen bald Wolken rein. Deswegen blieb es bei wenigen Luminanzaufnahmen. Immerhin konnte ich diese jetzt bzgl. ihrer Ausleuchtung analysieren. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, entspricht es doch der Vorhersage der Theorie!

Eine Analyse der Hintergrundhelligkeit ist im folgenden Bild dargestellt. Die ermittelte Hintergrundhelligkeit ist jeweils entlang der markierten Schnitte gemessen und auf das Maximum normiert.

Analyse der Hintergrundhelligkeit der 60 s M3 Aufnahme. De relative Hintergrundhelligkeit entlang der drei Schnitte ist jeweils als Graphik eingefügt. Die Abszisse stellt den jeweiligen Pixelindex dar. Das M3-Foto ist 3379×2703 Pixel groß.

Selbst in den Ecken geht die Ausleuchtung nur auf 80% zurück. Das entspricht einem Verlust von 0.25 Größenklassen. Die ersten Aufnahmen weiter unten zeigen, dass sich das gut per Flat kompensieren lässt.

relative AusleuchtungGrößenklassenverlust
95%0.06
90%0.11
85%0.18
80%0.25
75%0.31

26. Mai – Ronchitest

Ronchitest am 26. Mai mit TS2Korr. Intrafokal.

Einen Ronchitest am Stern habe ich auch duchgeführt. Beide Aufnahmen sind jeweils intrafokal. Für mich als blutiger Ronchi-Anfänge sieht das gut aus. Sowohl mit als auch ohne Korrektor konnte ich keine massiven Mängel endecken. Die Unregelmäigkeit auf der 8 Uhr Position kommt vermutlich aus dem Bereich Gitter und Kamera. Zumindest bewegt sie sich, wenn man die Anordnung Gitter+Kamera verändert. Deswegen und aufgrund der Tatsache, dass die ersten Aufnahme vielversprechend aussehen, habe ichhier keine weiteren Untersuchungen vorgenommen.

Bei dieser Gelegenheit habe ich auch noch die genaue Fokuslage gemessen. Das geht ja mit dem Ronchi-Gitter sehr exakt. Dabei ergab sich eine Lage des Fokus von 150.5mm über dem Tubus.

Ronchitest am 26. Mai ohne Korrektor. Intrafokal.

 

 

First Lights

Bei der Aufnahme vom 26. Mai stimmt Kollimation und Korrektorabstand noch nicht. Da ich die Tiefe der Aufnahme recht ordentlich finde, habe ich sie hier eingestellt. Bei den Aufnahmen von 28. und 29. Mai war meiner Auffasung nach der Korrektorabstand richtig und die Kollimation perfekt.

26. Mai. M 57, L: 60x1m, RGB: je 20x1m.
28. Mai. M 92, L: 100x30s, RGB: je 40x30s.
29. Mai. NGC 6914. L: 50x1m, RGB: je 30x1m.